Picasso Keramik
aus der Sammlung Ludwig

27. April - 1. September 2013
Sammlung Ludwig Bamberg

Die Museen der Stadt Bamberg warten 2013 mit einem spannenden Blick auf Picassos Umgang mit keramischer Kunst auf. Erstmals beherbergt die Sammlung Ludwig Bamberg im Alten Rathaus eine Ausstellung mit Keramiken Pablo Picassos aus dem Bestand des Museums Ludwig Köln und dem Privatbesitz von Peter und Irene Ludwig in Aachen. Über 50 Vasen und Figuren, Schalen und Teller, die in dieser Zusammenstellung so noch nie gezeigt wurden, geben einen Einblick in das reiche keramische Werk Picassos. Die unmittelbare Nachbarschaft zu den Fayencen des 18. Jahrhunderts in der Sammlung Ludwig Bamberg erlaubt Einblicke in die Traditionsstränge der Keramik, von denen sich Picasso inspirieren ließ.

Picasso als Keramiker

Der außerordentlich vielseitige und facettenreiche Künstler Pablo Picasso
war nicht nur Maler, sondern auch Bildhauer, Graphiker und eben Töpfer.
Picasso verband in seinem keramischen Werk Malerei und Plastik. Er bemalte ungebrannte Formstücke, indem er ihren Charakter völlig neu interpretierte und
aus einfachen Platten und Tellern Bilder machte. Außerdem verwandelte er
Kannen und Vasen in ganz neue plastische Formen.
Der Kunsthändler und Picasso-Kenner Daniel-Henry Kahnweiler stellte fest:
„Er stürzte sich in die Keramik mit der gleichen Leidenschaft wie in die Malerei,
die Bildhauerei und in die Graphik.“

Picasso in Vallauris

1946 besuchte Picasso die jährliche Keramikausstellung von Vallauris in Südfrank-reich. Er lernte Suzanne und Georges Ramié kennen, die eine Keramikfabrik, die Werkstatt Madoura, besaßen. Er besichtigte die Werkstatt und modellierte einen Faunkopf und zwei kleine Stiere. Picasso ließ sich 1948 in Vallauris nieder, wo er bis 1955 lebte. Innerhalb von zweieinhalb Jahrzehnten entstanden unzählige Keramiken, die alle bei Madoura gebrannt wurden.

Pablo Picasso nahm viele Themen und Motive aus seinem malerischen Œuvre in seiner Keramik wieder auf. So finden sich Frauen und Faune, Tauben, Eulen, Fische sowie die berühmten Stierkampfszenen auf Vasen, Platten, Schalen und Krügen. Ihm schwebte vor, dass seine Keramiken täglich gebraucht werden und er sagte zu André Malraux: „Ich habe Teller gemacht, aus denen man essen kann.“

Picasso meisterte die technischen Schwierigkeiten des Keramikbrandes zusammen mit den Töpfern in der Werkstatt Madoura. Das Malen auf ungebranntem Ton unterscheidet sich wesentlich von der Malerei auf Leinwand. Glasuren verändern während des Brandes die Farbe, Metalloxyde reagieren oft anders als erwartet und sind im Brand kaum mehr beeinflussbar. Picasso ließ sich die Handwerksregeln genau von den Fachleuten erklären und zeigen. Dennoch hat er ständig dagegen verstoßen – mit Erfolg. Er experimentierte völlig unvoreingenommen mit allen möglichen Materialien.

Picasso in der Sammlung Ludwig

Peter Ludwig entdeckte Picasso im Jahre 1947 für sich – in dem Jahr, als Picasso begann, in der Werkstatt Madoura in Vallauris, Keramiken herzustellen.
Damals hörte Peter Ludwig, 22 Jahre alt, an der Universität Mainz eine Vorlesungs-reihe über Moderne Kunst und Picasso. Auch als Thema seiner Dissertation wählte er den Künstler Picasso: Picassos Menschenbild als Ausdruck eines generations-mäßig bedingten Lebensgefühls.
Der enzyklopädische, allumfassende Anspruch von Picassos Kunst spiegelt sich in Ludwigs gesamter Sammlungstätigkeit wider. Die Sammlung beginnt beim Frühwerk und endet mit den letzten Arbeiten des 91jährigen. Zeichnungen, Gouachen, Aqua-relle, Gemälde, Collagen, Bronzen, Gipsskulpturen, Metallplastiken, Keramiken, Radierungen, Lithographien, Stiche, Linolschnitte, Buchillustrationen und Druck-stöcke nahmen Peter und Irene Ludwig in ihre Picasso-Sammlung auf, insgesamt 835 Objekte.

Bildnachweis von links nach rechts:

Pablo Picasso, Rechteckige Platte mit Kopf, Fayence, graviertes und reliefiertes Dekor mit Engobe-Malerei, 59 x 34 cm, 1948, Museum Ludwig Köln, Bildquellennachweis: Rheinisches Bildarchiv Köln

Pablo Picasso, Große Kanne mit zwei Masken 1953, Fayence gedreht und glasiert, 40 x 45 cm, mit Pinsel datiert: 6.1.53, Museum Ludwig Köln, Bildquellennachweis: Rheinisches Bildarchiv Köln

Pablo Picasso, Ovales Becken mit Faunenköpfen 1961, Fayence, Engobe-Malerei unter Glasur, 22,5 x 72,5 cm, Museum Ludwig Köln, Bildquellennachweis: Rheinisches Bildarchiv Köln

Pablo Picasso, Ovale Platte mit zierlich geschmücktem Rand 1951, “Corrida”, Fayence, Engobe-Malerei unter Glasur, 29 x 66,5 cm, rückseitig mit dem Pinsel datiert: 11.5.1951, Museum Ludwig Köln, Bildquellennachweis: Rheinisches Bildarchiv Köln

Pablo Picasso, Frauenkopf (Françoise) 1948, Fayence, gedreht und modelliert, graviertes Dekor mit Engobe-Malerei unter Glasur, 39 x 24 x 24 cm, unten an der Seite graviert: 29.4.48, Museum Ludwig Köln, Bildquellennachweis: Rheinisches Bildarchiv Köln

Pablo Picasso, Krug mit einem auf Händen ruhenden Gesicht, 1952, Fayence, gedreht und glasiert, 75 x 28 x 28 cm, mit Pinsel datiert im August 1952, Museum Ludwig Köln, Bildquellennachweis: Rheinisches Bildarchiv Köln

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