keramici in der Neuen Keramik

Artikel über die keramici, erschienen in Ausgabe 6 (2012) des Europäischen Keramikmagazins Neue Keramik »

keramici – Junge Keramikfreunde

Die keramici – Junge Keramikfreunde in Düsseldorf gelten innerhalb der Bundes-initiative „Junge Freunde Kunstmuseen“, des wachsenden Zusammenschlusses junger Freundeskreise in ganz Deutschland, als Exoten. Junge Menschen, die
sich mit Keramik beschäftigen, das gibt es?
In der Tat! Die keramici – Junge Keramikfreunde sind eine Initiative junger, an Keramik interessierter Menschen unter 40 Jahre; unser jüngstes Mitglied ist gerade 18 geworden. Der Impuls für die Gründung 2010 war die Feststellung, dass die meisten jungen Leute von Keramik fasziniert sind, wenn sie erst einmal mit ihrer Vielseitigkeit in Berührung kommen. Dies nutzen wir, um auf uns aufmerksam zu machen und damit die Begeisterung für Keramik lebendig zu halten.
Mittlerweile bilden wir ein fächerübergreifendes Team, das nicht nur aus Kunst-historikern und Archäologen, sondern auch aus Kommunikationsdesignern und Künstlern sowie Betriebswirten und Pädagogen besteht, die alle auf ihre eigene Weise zu den keramici gekommen sind und ein weites Erfahrungsfeld sowie breit gefächerte Interessengebiete mitbringen.
Wir wollen vor allem junge Menschen für Keramik begeistern. Wir wollen ihnen die Vielfalt eines der ältesten Werkstoffe der Menschheit aufzeigen und somit die Be-schäftigung mit der Keramik – theoretisch wie praktisch – fördern. Ebenso streben wir Kooperationen mit verschiedenen Hochschulen an, mit Studierenden und Lehrenden der Keramik sowie mit Keramik-Künstlern, aber auch mit Museen und den unter-schiedlichsten Institutionen, die diesem Werkstoff nahe stehen.
Die Wertschätzung der Keramik als freie Kunst zu steigern, ist eines unserer Ziele. Dabei interessiert uns die Technische Keramik gleichermaßen wie die Künstlerische. Unser Logo – eine perfekt kreisförmige Scheibe, umgeben von einem leicht un-regelmäßig ausgeformten Kreis – steht für Treffpunkt, für präzise Industriekeramik wie auch für handwerkliche Töpferkunst.
Ansässig am Hetjens-Museum und angegliedert an den dortigen Freundeskreis, unterstützen wir mit unseren Aktionen insbesondere auch das Museum, indem wir
für ein junges Publikum spezielle Veranstaltungen konzipieren und eine Plattform sowie ein Netzwerk rund um die Keramik bilden.
Frei nach dem Motto, „wer selbst brennt, kann andere entzünden“, erreichen wir unsere Mitglieder hauptsächlich durch persönliche Gespräche und Kontakte, beispielsweise auf Ausstellungseröffnungen, bei Akademierundgängen und offen-
en Tagen an Hochschulen, aber auch bei der alljährlich stattfindenden Nacht der Museen in Düsseldorf und an den Unis.
Die Präsenz in sozialen Netzwerken wie Facebook ermöglicht es uns, verstärkt
ein jugendliches sowie internationales Publikum anzusprechen.
Gerade die Möglichkeit, im Hetjens Ausstellungen zu kuratieren und mit jungen Künstlern zusammenarbeiten zu können, bildet ein wesentliches Alleinstellungs-merkmal der keramici.

Kooperation mit dem Fachbereich Design der Hochschule Niederrhein in Krefeld, Ausstellung „Clay Display“

Nach der erfolgreichen Kooperation mit dem Fachbereich Applied Art and Design
der Fachhochschule Düsseldorf und der Ausstellung „Schmuckstücke – Adaptions
of Sottsass“ im Jahr 2011 starteten die keramici mit „Clay Display“ eine neue, spannende Zusammenarbeit mit dem Fachbereich Design der Hochschule Nieder-rhein in Krefeld.
Bereits seit Herbst 2011 begleiten die keramici dort die Entstehung und Präsentation verschiedener Objekte aus Ton und Porzellan. Diese sind das Ergebnis eines inter-disziplinären Projekts zwischen Studierenden des Kommunikations- und Produkt-designs unter der Leitung von Prof. Silvia Beck und Prof. Gerhard Hahn.
Die Arbeiten thematisieren das Zusammenspiel zwischen großformatigen kera-mischen Gefäßen und deren Oberflächengestaltung, die traditionell von den Keramikern selbst durch das Aufbringen von Glasuren oder die Bearbeitung des Grundmaterials erfolgt. Dieser Prozess konnte nun durch die Mitarbeit der Kom-munikationsdesigner kreativ beeinflusst und bereichert werden.
Die Studierenden experimentierten mit unterschiedlichen Gefäßformen und bearbei-teten das keramische Material mit verschiedenen Mal-, Zeichen-, Ritz-, Druck- und Stempeltechniken. Auch Bildsprachen des Comic sowie des Graffiti kamen zum Einsatz. Zusammen bewirkten sie spannende Beziehungen zwischen dreidimen-sionalem Körper und zweidimensionaler, illustrativer Oberfläche. Neue Möglichkeiten der Betrachtung entstanden, neuartige Kommunikationswege eröffneten sich.
Der Kreativität waren hierbei keine Grenzen gesetzt: Die Studierenden legten eigene thematische Schwerpunkte fest, griffen historische Gefäß- und Dekorationsformen auf und kombinierten diese mit aktuellen Themen aus Gesellschaft und Politik, mit denen sie sich auseinandergesetzt hatten. Ebenso stellten sie literarische sowie philosophische Ideen in den Vordergrund. Die vielfältigen Ergebnisse und unkonven-tionellen Lösungen, die aus dieser Gemeinschaftsarbeit hervorgingen, reichen von Vasen, die wie Atommeiler anmuten über architektonische Utopien und Video-projektionen auf Keramik bis hin zu einem über 31 Gefäße verlaufenden Sieb-druckmotiv, das je nach Blickwinkel des Betrachters seine Erscheinung verändert.
Zahlreiche Objekte, die auf den ersten Blick irritieren, ergeben erst als Ensemble
ein ganzheitliches Bild der zugrundeliegenden Botschaft, die es in einer genaueren Betrachtung zu entdecken gilt. So werden die Besucher gleichfalls dazu aufgefordert, sich selbst und die Welt, in der sie leben, zu hinterfragen, sowie die eigene Wahr-nehmung zu erweitern.
Ausgewählte Arbeiten, die im Rahmen des Projekts „Clay Display“ entstanden sind, zeigt das Hetjens-Museum in einer viermonatigen Ausstellung, die am 21. November 2012 eröffnet wird.