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Königliche Eleganz, Preußische Pracht
250 Jahre Berliner Porzellan

17. Februar - 2. Juni 2013
Hetjens-Museum • Deutsches Keramikmuseum

Die Königliche Porzellan-Manufaktur Berlin (KPM) gehört noch heute zu den führenden Porzellanmanufakturen Europas. Ihre Gründung geht auf König Friedrich II. von Preußen (1712-1786) zurück, dessen exquisiter Geschmack die erste Schaffensphase prägte. Gleich nach seiner Inthronisation 1740 plante Friedrich der Große, eine Porzellanmanufaktur in Berlin anzusiedeln. Als die 1760 gegründete Porzellanfabrik des Kunsthändlers und Mäzens Johann Ernst Gotzkowsky nach nur drei Jahren des Betriebs in eine wirtschaftliche Schieflage geriet, erwarb der König das Unternehmen. Von nun an wurde die Produktion unter dem Namen »Königliche Porzellan-Manufaktur« weitergeführt.

Friedrich der Große schätzte die Gestaltungsmöglichkeiten des Porzellans sehr.
So ließ er die Servicebestellungen für das Neue Palais in Potsdam, das Berliner Stadtschloss, Schloss Charlottenburg oder das Breslauer Schloss nach seinen Dekorvorgaben ausführen. Zwischen 1765 und 1786 bestellte er insgesamt 21 Porzellanservice, worunter das »1. Potsdam´sche Tafelservice« als eine der schönsten Schöpfungen des »Friederizianischen Rokokos« gilt.

Friedrichs Nachfolger, Friedrich Wilhelm II. (1744-1797), übertrug die künstlerische Leitung des Betriebs an eine Kommission, in der angesehene Mitglieder der Berliner Kunstakademie vertreten waren. Um 1800 reagierten die Verantwortlichen auf den wachsenden Konkurrenzdruck durch die englische Steingutindustrie: Die Manufakturleitung erhöhte den Personalbestand, richtete neue Laboratorien ein und installierte Rundöfen sowie eine Dampfmaschine. Mit der Erweiterung der Palette an hitzebeständigen Farben entstanden duftige Blumen- und feine Mikromosaikdekore sowie großartige Stadt- und Landschaftspanoramen. Vor allem die großen Prunkvasen der KPM, die nach antiken Vorbildern gestaltet sind, faszinieren dank ihrer leuchtenden Farbdekore und breiten Goldborten. Sie gehören zu den wichtigsten Werken des europäischen Klassizismus.

Auch in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts setzte die Manufakturleitung auf
die technische Verbesserung der Porzellanherstellung. Hermann August Seger
(1839-1893), Direktor der manufaktureigenen »Chemisch-Technischen Versuchsanstalt«, glückte die Anmischung einer »weichen« Porzellanmasse, die bei niedriger Temperatur gebrannt werden konnte. Damit gelangen auch aufwendigere Dekortechniken, wie beispielsweise die tiefrote »Ochsenblutglasur« nach chinesischem Vorbild sowie mehrfarbige Laufglasuren. Segers Nachfolger Albert Heinecke (1854-1932) entdeckte zudem die Zusammensetzung einer schimmernden Kristallglasur.

Der künstlerische Direktor Theodor Schmuz-Baudiss (1859-1942) verwarf den historisierenden Stil der Kaiserzeit. Als ausgebildeter Maler und Keramiker fand er
zu einem neuen dekorativen Formenstil, der sich an Naturformen orientierte. Als künstlerisch herausragend gelten die Tierplastiken der KPM, wie beispielsweise der Pfefferfresser des Bildhauers Julius Feldtmann (1856-1933) oder die Chinesische Ziege von Anton Puchegger (1878-1917). Das Hetjens-Museum präsentiert Figuren aus dem Nachlass des in Berlin tätigen Landschaftsmalers Paul Lehmann-Brauns (1885-1970).

Als bedeutende Werke der KPM in dieser Zeit gelten die schreitenden Figuren
für den »Hochzeitszug« des Kronprinzen Wilhelm (1882-1951) anlässlich seiner Vermählung mit Herzogin Cecilie von Mecklenburg-Schwerin im Jahr 1904. Die Entwürfe stammen aus der Feder des Bildhauers und Goldschmieds Adolf Amberg (1874-1913). Die Kaiserin kritisierte jedoch die Freizügigkeit des Tafelaufsatzes. Direktor Schmuz-Baudiss erstand daraufhin die Blätter Ambergs, ließ sie in Porzellan verwirklichen und mit leuchtenden Farben verzieren. Die Inszenierung des Hochzeitszuges aus Privatbesitz wird daher einen Höhepunkt der Ausstellung darstellen.

Kostbare Leihgaben der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten, des Berliner Kunstgewerbemuseums, des Museums für Angewandte Kunst in Köln, des Museums für Kunst und Gewerbe in Hamburg sowie aus Kunsthandel und Privatbesitz führen die faszinierende Geschichte der KPM im Hetjens-Museum glanzvoll vor Augen.

Bilder, von links: Prunkvasen mit Ansichten von Schloss Charlottenburg, dem Königlichen Schloss Berlin, Schloss Sanssouci und dem Neuen Palais in Potsdam (Foto: Galerie Neuse, Bremen) und eine Adlervase (Foto: Horst Kolberg).