Aoki – Higuchi – Suzuki: Verwandlungen. Künstler zwischen Japan und Deutschland

3. März - 24. Juni 2012
Museum beim Markt, Karlsruhe

Die neuste, im Badischen Landesmuseum in Karlsruhe gezeigte Ausstellung „Verwandlungen. Künstler zwischen Japan und Deutschland“ zeigt Werke von drei zeitgenössischen, in Japan geborenen Künstlern. Mutsumi Aoki, Akihiro Higuchi und Aisaku Suzuki verstehen sich als Wanderer zwischen den Kulturen. Für Liebhaber der Keramik ist der Künstler Aisaku Suzuki von besonderem Interesse.

Japan ist das Land der Keramik schlechthin. „Aus der Tradition schöpfen, um die Zukunft zu gestalten“ ist ein Prinzip, dem man in Japan bei der künstlerischen Gestaltung folgt. Tradition wird dort jedoch nicht als etwas Statisches angesehen,
sie verbindet das Wissen und Können der Vergangenheit mit der Aufgeschlossenheit, neue Möglichkeiten zu erkennen und diese künstlerisch weiter zu entfalten. Auch die meisten Keramiker in Japan stehen und leben in der Tradition und entwickeln diese fort, andere gehen nach einer klassischen Ausbildung ganz neue Wege.

Aisaku Suzuki, der seit mehr als dreißig Jahren im badischem Breisach lebt, entschied sich, dem in Japan feststehenden Begriff yō no bi – Schönheit im Gebrauch –nicht mehr zu folgen und verließ das klassische japanische Formenrepertoire. Sein Ziel wurde es, eine Form zu schaffen, die weder brauchbar noch funktional ist. Selbstverständlich bilden seine traditionellen Kenntnisse – zum Beispiel auf dem Gebiet der Glasuren – immer noch eine Grundlage seiner Kunst, aber seit einigen Jahren steht die abstrakte Skulptur im Zentrum seines künstlerischen Schaffens.

Die Plastiken von Aisaku Suzuki aus Porzellan sind die Kristallisation seines Dialogs mit dem Arbeitsmaterial. Nicht nur das Ziel ist dabei wichtig, sondern auch der Weg. Suzuki fertigt keine Entwurfszeichnungen für seine Arbeiten an, vielmehr überlässt
er seinen Händen die spontane Formgebung der Gipsmodeln für den Porzellanguss. Durch den Einsatz dieser Gipsmodeln bleiben die Oberflächen der Plastiken fast makellos glatt. Die unterschiedlich aufgetragenen, reinweiß und dunkelblau leuchtenden Glasuren und deren Zufallsprodukt Craquelé bringen zusätzlich Abwechselung in die Objekte.

Die Plastiken von Aisaku Suzuki stehen eng im Dialog mit Raum und Licht. Es sind „zum Stillstand gebrachte Bewegungen“, wie der Journalist Andreas Platthaus so treffend formuliert hat. Die abstrakten Körper mit ihren verschiedenen Formen und Oberflächen verwandeln sich je nach Lichteinfall, Lichtintensität, Platzierung und Perspektive und erscheinen zum Teil völlig neu. Trotz der formalen Klarheit erzeugen die Asymmetrien und der Gegensatz von sanft geschwungenen Oberflächen und scharfen Kanten eine große Lebendigkeit. Die Plastiken sind befreit von jeglicher Gebrauchsfähigkeit, sie zielen nicht auf eine Abbildung der Wirklichkeit ab. Die menschlichen Sinne und die innere Wahrnehmung sind es, die diese abstrakten Figuren mit Dingen aus der Realität und Natur assoziieren lassen.

Von Rita Anna Szlaużys M.A., Kuratorin der Ausstellung und Mitglied der keramici